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Lexus testet digitale Brille beim Service

 Mit „Augmented Reality“ auf dem Weg zur 4.0-Werkstatt

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Mit der AR-Brille wird der Service im Lexus-Autohaus verbessert. | Foto: Lexus

Jeder Autofahrer kennt das Prozedere in der Autowerkstatt, wenn beispielsweise eine Durchsicht ansteht: Gemeinsam mit dem Service-Mitarbeiter wird das Auto inspiziert – ein Blick unter die Motorhaube und einer unter der Hebebühne auf den Fahrzeugboden, die Räder, den Auspuff . . . Bei Lexus soll die Fahrzeugannahme künftig einfacher und souveräner erfolgen – per „Augmented Reality“-Brille.

Alle Welt redet von der Digitalisierung unseres Lebens, nur wenige können sich darunter etwas wirklich Komplexes vorstellen – nicht zuletzt angesichts der Tatsache, dass das Internet vielerorts noch träge statt schnell oder sogar überhaupt nicht läuft. Wie eine Werkstatt 4.0 künftig funktionieren kann, stellt Lexus in seinem Forum Osnabrück vor. Dort werden gegenwärtig so genannte Augmented Reality-Brillen getestet, um den Service im Autohaus per digitalisierter Dialogannahme weiter zu optimieren und technische Probleme bei Reparaturen effektiver zu lösen.
Unter Augmented Reality, kurz AR, ist die per Computer gestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung zu verstehen. Diese Information kann alle menschlichen Sinne ansprechen und praktisch in allen Bereichen des Alltags zum Einsatz kommen. In den Lexus-Autohäusern soll es damit möglich werden, dass der Kunde im Autohaus auf einem Tablet das Geschehen an seinem Fahrzeug verfolgen und sich mit dem handelnden Techniker dabei austauschen kann. Zukünftig soll die Wartung oder Reparatur des Fahrzeugs sogar von zu Hause aus am Computer per Video-Chat verfolgt werden können, ohne dass der Kunde seinen Kopf in den Motorraum oder unters Blech stecken muss.
Kernstück der digitalisierten Dialogannahme ist die AR-Brille mit Kamera, Mikrofon und Lautsprechern. Dabei „schwebt“ ein Display vor dem Auge des Technikers und versorgt ihn mit Informationen. Ursprünglich kommt diese Brille aus dem Maschinenbau – dort wird sie bei der Fernwartung von Schaltschränken oder Maschinen eingesetzt. Wenn nun der Autoservice-Techniker die Brille aufsetzt und in Betrieb nimmt, zeichnet eine Kamera auf, was er sieht, und sein Sichtfeld wird aus der Werkstatt direkt auf ein Tablet des Lexus-Autohauses – oder künftig auch auf das Smartphone des Kunden – übertragen. Die Übertragung erfolgt in Echtzeit und ohne störende Umgebungsgeräusche.
Auf der anderen Seite wird es möglich, dass sich der Service-Techniker bei einem Problem schnell und einfach über das integrierte WLAN mit dem zentralen technischen Support des Autoherstellers in Verbindung setzen kann. Der Spezialist aus der Zentrale ist dann in Echtzeit bei der Reparatur per Display „anwesend“ und kann mit seinem Wissen zur Problemlösung beitragen. Dabei kann sich der Techniker vor Ort aus der Lexus-Zentrale auch Schaltpläne oder technische Dokumentationen auf den kleinen Bildschirm vor seinem Auge schicken lassen.
Die AR-Brille ist sprachgesteuert, so dass der Techniker die Hände für Wartung oder Reparatur frei. Aktuell beträgt die Akkulaufzeit rund acht Stunden. Die Anbindung an Netzwerke oder Drittgeräte ist per WLAN, Bluetooth, GPS oder über einen USB-Anschluss möglich. Dabei kann auch das eigene Smartphone als Hotspot genutzt werden.
Als weitere Einsatzmöglichkeiten sieht man bei Lexus unter anderem Produktneuvorstellungen via Live-Schaltung aus dem Showroom, Erläuterungen für den Kunden zur Bedienung eines Neuwagens oder ein individuelles Verkaufsgespräch mit Bildübertragung aus dem Autohaus in die Wohnung des potentiellen Kunden. Zudem ist der Einsatz der AR-Brille für die Abwicklung von Unfallschäden denkbar. In diesem Fall könnten sich die Versicherung des Fahrzeughalters oder des Unfallgegners sowie der Gutachter live dazuschalten, während das Auto inspiziert wird.
Das Pilotprojekt im Forum Osnabrück läuft bis Ende Dezember, um Funktionalität, Kosten und Nutzen der AR-Technologie beurteilen zu können. Lexus testet die neue Technologie in Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien. Nach der Testphase soll die digitalisierte Dialogannahme nicht nur bei Lexus, sondern auch in Toyota-Autohäusern eingeführt werden.

Eva-Maria Becker

Foto: Lexus

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